40 Jahre Eingemeindung nach Mudau

Vernunftehe am 1. März 1974

 

Seit über einer Generation ist nun die ehemals selbständige Gemeinde Donebach einer von neun Ortsteilen der Gemeinde Mudau. Am 1. März 1974 schloss sich Donebach mit Ünglert freiwillig der neuen Gemeinde an.

Für die jüngeren Einwohner ist das alles so wie es jetzt ist, da sie die vorherige Konstellation nicht erlebt hatten.

Wenn damals gute Worte und „Druck von oben“ nicht so recht helfen wollten, so griff man zu einem probateren Mittel, nämlich Geld. Eingliederungsprämie hieß das Zauberwort, das dann für Klarheit des Handelns sorgte.
Eine Liebesheirat war die Eingemeindung gewiss nicht, aber eine Vernunftehe sehr wohl. Als Brautgeschenke waren Leichenhallen und günstige Preise für kommunale Leistungen ein wohlfeiles Geschenk, das man annehmen konnte. Die ehemals bei den einzelnen Gemeindeverwaltungen beschäftigten Mitarbeiter kamen in der neuen gemeinsamen Verwaltung in Mudau unter.
Das war auch in Donebach so. So erhielten die bisher in Donebach Beschäftigten einen Arbeitsplatz bei der neuen Gemeinde, und der Donebacher Friedhof erhielt eine Leichenhalle.

Die wenigen Kommunen, die der ganzen Sache nicht so recht trauten wurden der einfachheit halber zwangseingemeindet.
Die Donebacher hatten schon Erfahrung mit Mudau, war die Gemeinde schon von 1936 bis 1945 eingemeindet. Diese Eingemeindung war keine Liebesheirat, da die Donebacher sofort nach Ende des Weltkriegs ihr Schicksal wieder selbst in die Hand nahmen.

Nach nunmehr 40 Jahren gemeinsam verbrachter Zeitgeschichte zeigt sich, dass große strukturelle Veränderungen allein nicht zu meistern gewesen wären. Als Beispiel möge der Anschluss der Haushalte an eine Kläranlage, Sanierung der Ortsdurchfahrt und Bereitstellung von Bauland dienen.
Allerdings war die Eingemeindung ein Mosaikstein auf einem Weg der die kleineren Gemeinden nach dem Krieg weg von der eigenen Selbständigkeit hin zu größeren effizienteren Gemeinwesen führte.

Für Donebach bleibt festzuhalten, dass 1966 die Hauptschule geschlossen wurde und die Schulkinder nach Mudau in die neu erbaute Grund- und Hauptschule gehen mussten.1972 folgte die Grundschule nach, sodass die Kleinsten auch  schon den Weg zur späteren politischen Gemeinsamkeit kennenlernen konnten.

Nach nunmehr 40 Jahren ist für die Allgemeinheit Normalität eingekehrt, da die Reibungspunkte von damals entschärft und einer gemeinsamen Zukunft gewichen sind.

 Was die politische Klasse im Land Baden-Württemberg betrifft, so wurde offenkundig mit zweierlei Maß gemessen. Sieht man sich die Neckartalschiene mit Zwingenberg, Neckargerach, Binau und Neckarzimmern an, so wären diese Gemeinden im Zweifel zwangseingemeindet worden. Auch diese Gemeinden erfreuen sich auch heute noch ihrer Selbständigkeit. Und das ist gut, belegen sie doch dass sie auch allein überlebt haben.

Franz Brenneis

 

 

Zeitungsbericht Fränkische Nachrichten vom 19.02.2014

Vor 40 Jahren:

Donebach, Langenelz und Scheidental schlossen sich Mudau an / Gemeinden blieben sich treu

Die Dörfer besannen sich auf ihre Identität

Werfen die Schulreform und andere Reformen ihre Schatten wieder voraus? Wie zu der Zeit, als in Stuttgart eine große Koalition zu Gange war und sich große Verdrossenheit über den ländlichen Raum legte?

Ende der 60er Jahre wurden im Zuge der Schulreform der Reihen nach Grund- und Hauptschulen geschlossen. Die neue Verwaltungsreform startete mit dem Ziel, kleine Gemeinden aufzulösen. Die „Stärkung der Verwaltungskraft“ schoben die Verantwortlichen vor, um die schon im „Dritten Reich“ begonnene Zusammenlegung von Gemeinden, welche man 1945 teilweise wie-der rückgängig gemacht hatte, neuanzugehen.
Es kam zu folgenden Veränderungen: Ab 1. April 1935 wurden Unter-und Oberscheidental zur Einheitsgemeinde Scheidental vereinigt; Schloßau, Waldauerbach und Mörschenhardt zur Einheitsgemeinde Schloßau. Am 1. Januar 1936 folgten Rumpfen, Stürzenhardt und Steinbach als einfache Gemeinde Steinbach. Am 1. April 1936 wurden Langenelz und Donebach nach Mudau eingemeindet. Nur Reisenbach blieb ungeschoren.

 Fusion der Gemeinden

 Ab 1967 versuchte man, den Gemeinden auch mit Fusionsprämien die Verwaltungsreform „schmackhaft“ zu machen. Der Gemeinderat von Langenelz lehnte dies ab. Um jedoch die Verwaltung zu stärken, fusionierten die Gemeinden Langenelz, Scheidental und Reisenbach zu einer Verwaltungsgemeinschaft. Am 13. März 1971 stimmten die Gemeinden Donebach, Langenelz, Mörschenhardt, Reisenbach, Scheidental und Schloßau der Gemeindereform mit der Zuordnung zum Mittelpunkt- und Verflechtungsraum Mudau zu, was aber kein „Ja“ zur Auflösung der Gemeinden bedeutete. Mörschenhardt schloss sich zum1. September 1971 Mudau  an. Die Entwicklung verlief unterschiedlich. Zahlreiche Gemeinden vereinigten sich freiwillig, kleinere schlossen sich größeren an und erhielten eine Fusionsprämie. So verzeichnete der Kreis Buchen zum 31.Dezember 1971 eine „Welle“ von Gemeindezusammenschlüssen. Der Gemeinderat Langenelz entschied sich für das Fortbestehen der Gemeindeselbstständigkeit, was durch eine Bürgeranhörung im März 1972 bestätigt wurde. Der ab 1.Januar 1973 neugebildete Landkreis gab sich den Namen „Odenwaldkreis“. Da sich der ehemalige Kreis Erbach zuvor schon so nannte, bestanden zwei Kreise nebeneinander mit dem gleichen Namen. Die Namensfindung für den neuen Kreisführte zu heftigen Kontroversen.

Keine Zwangseingemeindung

 Da mit einer Zwangseingemeindung bis zum 1. Januar 1975 gerechnet werden musste, beschloss der Gemeinderat Langenelz wegen der zu erwartenden Eingliederungsprämie letztendlich, Verhandlungen mit Mudau  aufzunehmen. Als nächster Ortsteil trat Rumpfen am 1. Januar 1973 der Gemeinde Mudau bei. Der Langenelzer Gemeinderat stimmte bei der Anhörung zur Zielplanung mehrheitlich dem Vorschlag der Zuordnung zur Gemeinde Mudau zu. Am 18. Mai1973 votierte der Gemeinderat dann für die Eingliederung zum 1. Januar1974. Scheidental tat den Schritt zum selben Termin, Donebach zum1. März 1974. Die heutige Gemeinde wurde zum 1. Januar 1975 gebildet. Steinbach trat freiwillig bei. Reisenbach und Schlossau wurden zwangseingemeindet“.

Damals bahnte sich eine negative Entwicklung in den Dörfern an ,Gasthäuser schlossen der Reihe nach und die Eigeninitiative sank auf den Tiefpunkt. Die Einwohner identifizierten sich nicht mit dem neuen Gebilde, und die mit der Reform eingetretene Bürgerferne wurde in den Jahren darauf auch behördlicher-seits bedauert. 1980/81 sorgte bei den Feuerwehren die Einführung des Mudauer Wappens auf den Uniformen für großen Wirbel. In Langenelz war es die Erhöhung des garantierten Wasserpreises. In einer Modellraumuntersuchung des Landes untersuchte man Mörschenhardt  stellvertretend fürdie anderen Ortsteile. Von drei möglichen Entwicklungen ging das Ergebnis aus: Aufforstung und Monokulturen mit Biotopvernetzung, Landschaftspflege und Extensivierung beziehungsweise Aufforstung mit Wildwuchs. Nichts davon ist bislang eingetreten. Die Dörfer besannen sich auf ihre Identität. Neue Vereine und Gemeinschaften sowie Bau- und Industriegebiete entstanden. Heute ist die Gemeinde Mudau gut aufgestellt und kann, trotz des demografischen Wandels, positiv in die Zukunft sehen, vorausgesetzt die neuen Reformen und Gesetze lassen dies zu. Allgemein hat sich die Erkenntnisdurchgesetzt, dass die heutigen Anforderungen durch die kleinen Gemeinden nicht mehr zu erfüllen wären.

Hans Slama